Donnerstag, 13. Oktober 2011

06.10.2011 Cusco

Nach zwei Kilometern müssen wir eine Zwangspause einlegen, denn mein Vorderrad ist platt. Immer mal wieder nieselt oder regnet es. Die 700 Höhenmeter strengen doch mehr an las gedacht. Wir wollen endlich in Cusco ankommen! Es dauert etwa zwei Stunden, bis wir den 3800m Pass überwinden. Dann geht es leicht bergab. Die nächsten 40 km sind trotz einer kleinen Essenspause schnell runter gespuhlt. Es warten noch zwei mini Anstiege auf uns. Der erste ist so schnell absolviert, daß wir ihn kaum bemerkt haben, der zweite ist jedoch anstrengend, weil man endlich da sein will. Doch dann geht es ganz schnell. Wir sehen schon die Gleise der Schmahlspurbahn nach Aquas Calientes und ein Schild welches uns in Cusco begrüsst. Noch einmal 200 Höhenmeter und die Abfahrt ins Zentrum kommt. "Juhu, Cusco wir kommen!"
Wir fahren zu dem Hostal, welches uns die Fahrradgruppe vorraus empfohlen hat. Ein wirklich schönes Hostal, mit warmer Dusche und Frühstück inklusive. Hier werden wir ersteinmal ein paar Tage bleiben.



Cusco von oben

05.10.2011 Lluvia

Nachdem wir wieder auf der Strasse sind geht es in einer angenehmen Abfahrt nach unten. Der Asphalt lässt unsere Räder schnell rollen, so daß wir innerhalb von einer Stunde schon unsere ersten 30km haben. Es wird langsam wärmer und wir stellen uns auf Moskito Atacken ein. Am Ende der Abfahrt essen wir in einem Restaurant etwas. Es ist unerträglich heiss. Nach etwa 10km beginnt der endgültig letzte Anstieg nach Cusco. Wir wollen noch soweit wie möglich nach oben, um morgen nicht noch soviel vor uns zu haben. Als wir die 3100 Höhenmeter voll haben, fragen wir einen Mann, ob wir in seinem Garten Zelten können. "Kein Problem!" Als wir das Zelt aufgebaut haben, fängt es an zu regnen. Der erste richtige Regen, der uns erwischt, seit etwa drei Monaten. Da fällt uns auf, wie viel Glück wir seit Venezuel mit dem Wetter hatten. Durch das gleichmäßige Plattern der Tropfen auf unser Zelt schlafen wir auch recht schnell ein.



Ja, ja, Asphalt bis Cusco!



04.10.2011 4000m otra vez!

Der endgültig letzte 4000er Pass vor Cusco liegt vor uns. Eine Leichtigkeit! Wie wir denken, aber dieser Anstieg hat es dafür in sich. Wir fühlen uns an Venezuela erinnert. Dort mussten wir so gar teilweise schieben. Das müssen wir jetzt zwar nicht, aber viele Pausen machen wir. Von 2500 auf 4000müM innerhalb von 30km. So ist es ein schönes Gefühl auch diesen Pass überwunden zu haben. Immerhin war das ein sechs Stunden Werk. Bevor ich jedoch die Abfahr richtig genissen kann, möchte Doro links runter zu einem Dorf abbiegen und einen Stein bei den Saywite Ruinen besichtigen. Er soll eine Art Landkarte des Inkareichs darstellen. So fahren wir runter. Ein Mann kommt auf uns zu und sagt, dass die Besichtigung der "Anlage" elf Soles kostet. Wir gucken uns an und wollen schon weiterfahren, als er sagt, daß es doch nur vier pro Person kostet. Schnell rennt er weg und holt ein paar Zettel die er uns als Eintrittkarten verkauft. "Also wenn das der Museumswärter ist, dann zieh ich mir ein Lamakostüm an und tanze Samba!" Wir geben ihm trotzdem das Geld und schauen uns in der kleinen Anlage um. Wir fragen nach einer Campingmöglichkeit und er bietet uns einen Platz hinter seinem Stall an.
Wir bauen unser Zelt auf und ein Mann spricht uns an. Wir erzählen ihm, daß wir eine Erlaubnis vom Museumswächter hätten. Sehr freundlich erlaub er uns auf seinem Grund zu schlafen! Von dem Museumswächter war übrigens nach der Bezahlung nichts mehr zu sehen. So kochen wir uns noch ein kleines Mahl und gehen anschliessend ins Bett.






 

03.10.2011 El paso de 4000m!

Wieder die Sachen einpacken und den vorletzten 4000er in angriff nehmen. Als wir die zweite oder dritte Kurve durchquert haben, sehen wir ein Dorf unterhalb der Strasse. "Ach, das ist Kishuara!" wie wir erst jetzt bemerken. Wir hätten nur zwei, drei Kilometer weiterfahren müssen und wir wären in Kishuara gewesen. Aber dies hätte auch bedeutet, dass wir heute wieder zwei, drei hundert Höhenmeter zuzätzlich hinauf radeln hätten müssen, so sind wir froh, nicht dort unten gezeltet zu haben.
Wieder kommen uns Baumaschinen entgegen, die uns regelrecht im Staub stehen lassen. Nach etwa weiteren 10km kommen wir auf dem Pass an. Seicht neigt sich die Strasse, aber von einer Abfahrt kann keine Rede sein. So rollen wir, mit leichtem Treten Abancay entgegen. Es dauert 10 weitere Kilometer, bis das Rad von selbst rollt. Nun kann man auch im Tal immer mal wieder Abancay sehen. Schade ist auch, dass wir jetzt schon wissen, dass es noch mal bis auf 2000m runter geht, Abancay aber auf 2500müM liegt. Die Abfahrt will und will kein Ende nehmen.
An einem Stand, an dem es gebratenes Schweinefleisch mit Mais und Salat gibt halten wir an.
Nach dem opulenten Mahl rollen wir weiter in Richtung Fluss, den es zu überqueren gilt. Als uns ein Reiseradler entgegen kommt halten wir an. Nach kurzem Plausch geht es weiter, bis wir endlich die Brücke überqueren und den letzten Anstieg des Tages angehen.
In Abancay finden wir ein sehr gemühtliches Hostel und planen einen Tag pause ein. Mit einer Pizza wird der Tag abgerundet.

Die fast endlose Abfahrt, im Hintergrund Abancay





02.10.2011 El ripio pista

Nach einer warmen Dusche, die es dann doch noch gibt, machen wir uns auf. Wieder müssen wir auf über 4000müM. D.h. etwa 1200 Höhenmeter müssen überwunden werden. Als wir an den Stadtrand kommen befinden wir uns auf einer Sandschotterstrasse, die uns stark an die Strecke von Mocoa nach Sinbundoy, Kolumbien erinnert. "Asphalt bis Cusco!" Diese Worte kommen uns gerade in den Sinn. So schleppen wir uns Serpentine für Serpentine nach oben. Wieder treffen wir auf Strassenbauarbeiter. Auf manchen Stücken ist sogar Asphalt. Uns leuchtet die Vorgehensweise nicht ganz ein. Im nirgendwo gibt es 10 km Asphalt, dann kommt übelste Sandpiste, dann gewalzter Schotter, dann Sandpiste, Asphalt usw. Es scheint, als ob immer irgendwo mit den Asphaltierungsarbeiten begonnen wird und dann auch irgendwo wieder aufgehört wird.
Die letzen 20 km bis zum Pass sind dann wieder Asphaltiert und so kommen wir dann schneller vorwärts. Die Abfahrt besteht leider aus Schotter und ist somit nicht so schön wie die Tags zuvor. Gegen, wie soll es anders sein, 17 Uhr kommen wir in Kishuara an. Leider finden wir dort keine Campinggelegenheit und fahren weiter bis zu einer Kurve. Wir schauen uns einen Hügel an und dort finden wir auch einen geeigneten Zeltplatz. Ist zwar nicht schön hier, aber was soll man machen? So bauen wir unser Zelt auf und schlafen auch recht zeitig ein.

Letztes Restaurant vos der Schotterabfahrt


01.10.2011 Calle en construction o un otro paso

Weiter geht es hoch. Der nächste Viertausender wartet. Wir kurbeln uns auf der mehr schlechten als rechten Schotterstrasse hoch zu einer Abzweigung. Das Schild mit Andahuaylas zeigt lustiger weise nicht in die richtige Richtung, wie uns ein Bauarbeiter bestätigt. Apropos Bauarbeiter, die Strasse wird wohl irgendwann mal asphaltiert sein, denn unzählige Baufahrzeuge kommen uns entgegen, überholen uns oder versperren den Weg. Je weiter wir auf der Strasse fahren, desto mehr lernen wir über Strassenbau. Am besten ist die Passage mit den noch nicht gewalzten Kieseln, in denen unsere Räder versinken, während hinter uns der Grader (musste ich bei Wikipedia nachgucken) immer näher kommt.  Hecktisch kämpfen wir uns durch den Kiessumpf. Ein kleiner Halt um ein paar Kinder zu fotografieren ist eine willkommende Abwechselung. "Ab dem Pass gibt es Asphalt bis Cusco!", ruft uns ein Arbeiter zu. Als wir oben sind, kommt ein junger Mann auf seinem Pferd auf uns zu. Javier ist Mineraliensammler. Er hat uns ein bischen an Carlos den Eisverkäufer aus Kolumbien erinnert, denn er ist genauso aufgeregt und hat uns mehrere Steine geschenkt. Nach weiteren fünf Kilometern erreichen wir den Pass.4300müM! Endlich geschafft!
Die Abfahrt ist herrlich und der Lohn für die Kraxelei. Fast 60km abwärts!Gegen fünf Uhr kommen wir in Andahuaylas an. Ein günstiges Hotel mit Warmwasser ist auch schnell gefunden. Leider funktioniert das Warmwasser nicht und dann muss unbedingt jetzt der Fernseher getauscht werden! Nun haben wir einen grossen Fernseher, der aber noch programmiert werden muss und uns ist sowieso nicht nach fernsehen. Deshalb suchen wir uns erstmal ein Restaurant. Das Tagesmenu gibt es nicht mehr also bestellen wir was von der Karte. Doro bekommt ihr Essen als erstes. Während sie so isst, hören wir, wie ein Peruaner das Tagesmenu bestellt. Es kostet im übrigen nur ein drittel von dem was wir bestellt haben. Nachdem Doro fertig ist, bekomme ich mein essen. Nun fehlt nur noch der extra Salat, der eigendlich für uns beide vorweg gedacht war und der Salat zu meinem Menu. Nach zehn Minuten fragen wir mal nach. "Kleinen Moment noch. Der Salat muss noch geschnitten werden!!" Aha, nicht nur was über Strassenbau gelernt, sondern auch über Salatzubereitung! Nach weiteren fünf Minuten steht er dann auch auf unserem Tisch. Auf die Frage, warum sein Kollege uns gesagt hat, dass es kein Menu mehr gibt kommt ein:" Entschuldigung!" Auf die Frage, wo denn der Salat sei, der zu dem bestellten Gericht gehört:" Entschuldigung, tut mir wirklich leid!" und auf die Frage, warum man uns alles hintereinander serviert hat:" Entschuldigung!" Bezahlt haben wir trotzdem den vollen Preis, ohne den dazugehörigen Salat je bekommen zu haben. Nicht das wir hier den absoluten westlichen Standard erwarten, aber ein Peruaner hätte da viel heftiger drauf reagiert! Uns nervt dieses "dummer Touri" denken, dass ist wirklich unhöflich!
Daraufhin haben wir uns ein grosses Bier gekauft und unseren neuen Fernseher programmiert! Gute Nacht!



















30.09.2011 Un medio dia de trabajo

Wir versuchen so früh wie möglich auf dem Fahrrad zu sitzen, welches aber nicht so ganz gelingt. Gegen halbacht fahren wir dann in Richtung nächsten Pass. Nicht nur wir mögen ein gutes Frühstück sondern auch die vielen kleinen Moskitos. Weiter geht es aufwärts auf der Schotterstrasse. Die temperatur steigt stetig an, bis wir um die 35/40°C haben. Gegen zwölf bekommen wir hunger und laut Buch soll es eine kleine Stadt geben. Nach der nächsten Serpentine taucht auch tatsächlich was Stadtähnliches auf, aber leider zwei, drei Kilometer weiter unten. Frustriert setzen wir uns in ein schattiges Plätzchen an der Strasse und essen Apfelschiffchen, Brot und Bonbons. Als wir weiterfahren kommt hinter der nächsten Kurve ein Torbogen mit "Herzlich Willkommen in Chinchero!" drauf. "Haha, wie witzig!", denken wir uns. So haben wir 50m vor der Stadt pausiert! Aber etwas geht ja bei einem hungrigen Radfahrer immer rein und somit steuern wir das nächste Restaurant an.  Das Essen ist so lecker, dass wir auch gleich noch einen Saft bestellen. Als wir weiterfahren wollen, sollen wir noch ein Foto von der Köchin machen.
Nach einem Kilometer halten wir nochmals um ein Kaltgetränk einzunehmen. Dort behauptet ein Mann das 80 Prozent der Perutouristen Radfahrer sind! Die anderen fahren Motorad? "Aha, interessant!"
Nach einer Stunde kommen wir in Uripa an. Der Gedanke an eine warme Dusche lässt uns hier nach einem Hostal suchen. Nach ein wenig hin und her finden wir eins. Zum Glück duschen wir sofort, denn gegen fünf fällt der Strom aus und es gibt somit kein heisses Wasser mehr.






Dienstag, 4. Oktober 2011

29.09.2011 arriba, abajo, arriba....

Um acht Uhr schieben wir unsere Räder hinauf in Richtung Strasse. Zum Glück ist sie relativ gut, so dass wir zügig vorwärts kommen. Nach jeder Kurve erwarten wir nun den 4400m Pass, aber immer wenn wir denken, jetzt sind wir rüber, handelt es sich nur um eine kleine Abfahrt, die dann in einer Steigung endet.
Doch nach etwa 10km rollen unsere Räder wie von selbst. Das muss die Abfahrt sein! "Juhu!" Doch die Freude wart nicht lange! Als wir an eine Abzweigung kommen gibt es ein kurzes steiles Stück Strasse und ein langes flaches Stück Strasse nach unten. Wir entscheiden uns für die lange Variante. Wir kommen an einer Art Zeltsiedlung vorbei um die herum Kartoffeln verteilt liegen. Schon von weitem winkt uns ein Mann zu. Wir halten und kommen mit ihm und seiner Frau ins Gespräch. Sie heissen Jenny und Henry und wohnen in Ayacucho. Die Kartoffeln werden etwas weiter unten geerntet und hier hoch gebracht um vom Nachtfrost gefriergetrocknet zu werden. So erfahren wir, dass wir gestern minus sieben Grad hatten. Es gibt wahnsinnig viele verschiedene Arten. Eine der ältesten ist Chuño. Es gibt weisse und schwarze. Die Inka haben schon mit dieser Art von gefriertrocknung gearbeitet, da es in der Höhe auch viel Ernteausfall gab. Diese Kartoffeart lässt sich bis zu drei Jahren lagern. Faszinierend, dass noch heute mit dieser Technik gearbeitet wird. Am idealsten ist es, wenn es minus zwanzig Grad werden, aber wir sind froh, dass es letzte Nacht nicht so kalt war.
Das lustige bei dieser Unterhaltung ist, dass zwischen uns die Kartoffeln liegen und wir etwa 10m von einander entfernt sind. 
Nachdem wir auch erzählt haben wie es in Deutschland so zugeht und eine Stunde vergangen ist, manövrieren wir uns in die Mitte des Kartoffelfeldes und verabschieden uns.
Auf den Weg geben sie uns noch die Info mit, dass es nochmals bergauf geht. "Nah, Mahlzeit!"
Wir schleichen den letzten Berg hoch. Dann kommt endlich die Abfahrt! Wieder auf 2000müM, etwa 50km runter! Zwischen durch halten wir noch in Chumbes um ein Mittagessen einzunehmen. Es wird wärmer und wärmer und wir müssen uns immer mehr Klamotten entledigen. Leider kommt nun auch die Moskitoplage mit ins Spiel und binnen weniger Minuten sehen Hände und Arme aus wie Streuselkuchen.
Wir überqueren den Fluss Rio Pampas um dann wieder hinauf zu radeln. Den nächsten Anstieg wollen wir uns für morgen aufheben und somit suchen wir nach einem Laden und einem Zeltplatz.
Den Laden finden wir durch Zufall, denn er hat kein Schild oder ähnliches, dass darauf hinweist. Wir kaufen frischgepflückte Orangen, Gemüse und Brause. Nach zwei Kilomertern weiter fragen wir einen Mann, ob er eine gute Stelle zum Campen wüsste. "Ja!", sagt er und führt uns zu seinem Haus und zeigt auf die überdachte Terasse. "Hier!" Wir unterhalten uns noch mit ihm bis es dunkel wird. Die Hitze hier unten macht uns allerdings schwer zu schaffen, aber irgendwie sind wir dann doch eingeschlafen.

Hernry und Jenny



Chumbes

Rio Pampas


28.09.2011 4000m arriba

Nachdem wir unsere Sachen aus dem zweiten Stock wieder unten haben, radeln wir mal wieder Bergauf. Wir wollen versuchen den 4400m hohen Pass noch heute zu erreichen. Somit müssen wir von 2750m 1650m gen Himmel radeln. Es dauert eine ganze Weile bis wir Ayacucho endgültig verlassen haben, aber noch nach zwanzig Kilometern sieht man unten im Tal die Stadt. Zum Glück ist die Strasse asphaltiert, so kommen wir auch zügig voran. Nach etwa 35 km sind wir schon auf 4250müM! Nach weiteren 10km endet leider die asphaltierte Strasse. Langsam werden wir müde und wir müssen uns nach einem Zeltplatz umschauen. Wir sind jetzt etwa auf 4300müM und sehen Vicunas. Ausserdem bekommt Doro zwei schöne Vogel vor die Linse. Nur ein Zeltplatz ist nicht in Sicht.
Nach wieteren 15km finden wir dann einen super Zeltplatz. Er liegt etwas abseits der Strasse, so dass man nicht gesehen wird und wir unsere Ruhe haben.



Mal wieder auf über 4000müM



24.09.2011- 27.09.2011 con bus

Nachdem Frühstück machen wir uns auf zum Busterminal, um zu fragen, ob wir nicht schon jetzt unsere Sachen dort abstellen können. Wir dürfen! Somit können wir den ganzen Tag in der Stadt rumschlendern. Bis halb zehn ist es lang. Die ersten Stunden gehen dann auch noch recht zügig um, ab fünf Uhr wurde uns dann aber doch langweilig. Wir hatten uns vorgenommen in einer Pizzaria zu essen. Diese macht aber erst gegen sieben auf. So setzen wir uns in den Park und schauen den Wächtern zu, wie sie die Kinder von dem einzigen Stück Rasen der Stadt verscheuchen.
Nach einer Familienpizza, die so groß wie eine normale und so teuer wie eine Familienpizza in Deutschland war, sitzen wir endlich im Bus nach Huancayo. Als wir um fünf Uhr morgens dort ankommen, wacht die Stadt langsam auf. Wir rollen mit unseren Rädern zum nächsten Terminal und kaufen die Weiterfahrt nach Ayacucho. Um acht Uhr soll es losgehen. Somit haben wir noch Zeit, setzen uns in einem Park und schauen den Betrunkenen zu wie sie nach Hause torkeln, den Parkwächter wie er mit nem Wasserschlauch den Gehweg reinigt, den Schuhputzern die sich auf Kundschaft einstellen und den Zeitungsverkäufer, der seinen Kiosk bestückt.
Jetzt werden die Räder auf das Dach geladen, hoffentlich macht der Busbegleiter alles richtig fest.
In den Bus steigen auch zwei Typen ein, die in ein bisschen aus der Mode gekommenen Klamotten stecken und ein Barett auf dem Kopf haben. In der Hand hat jeder eine Gitarre. "Das sind bestimmt Deutsche!", denk ich mir noch so und tatsächlich.
Als der Bus eine Pause macht kommt Doro mit einem von ihnen ins Gespräch. Sie kommen aus Lühneburg und gehören einer "nichthandwerklichgeschulten" Wandervereinigung (Wandervögel), einer Art Burschenschaft, an. Also akademische Wanderer mit Gitarre. Allerding trampen sie! "Aha, komische Wandervögel!", denk ich mir.
Vorallem, weil sie jetzt gerade Bus fahren!
Gegen fünf Uhr rollen wir auf unseren, noch gut erhaltenen Räder hinunter vom Terminal ins Zentrum von Ayacucho. Nach kurzer Zeit haben wir auch das fast perfekte Hostel gefunden. Mit Dachterasse, warmer Dusche und so. Einziger Nachteil: zweiter Stock!
Hier werden wir drei Nächte bleiben.

Blick vom der Dachterasse